Aktuelle Arbeiten der Künstlerin Yvonne Huggenberger. Eine vorausgehende Werkserie, in der das Thema des Kontrastes bestimmend war, bildete den Ausgangspunkt für Yvonne Huggenbergers intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der Farbe Weiss. In einer grossen Bodeninstallation fand der Gegensatz Ausdruck über die unterschiedliche Wirkung von Weiss durch die Verwendung verschiedener Trägermaterialien. Der Drang, es wissen zu wollen, etwas Gültiges erfahren zu wollen, äussert sich in der aktuellen Werkserie darin, dass sich die Künstlerin in noch radikalerer Beschränkung der gestalterischen Mittel die unbunte Farbe Weiss zum Thema macht. Weiss steht für einen Neubeginn, Weiss ist die Farbe der Keuschheit, Weiss lässt noch oder wieder alle Richtungen zu. Das Thema des Kontrastes ist auch den Arbeiten der Weiss-Serie noch immanent. Hat sich doch gezeigt, dass die Farbe Weiss alleine nicht genügt, reine Fiktion bleibt, ohne einen Gegenpol, eine Abgrenzung. Erst in der schöpferischen Gestaltung wird die Farbe zum Begriff, wird ihre Qualität erlebbar. Das Prozesshafte der Beschäftigung mit dem Thema wird in den verschiedenen Arbeiten deutlich: Zu Beginn steht noch das Spiel mit unterschiedlichen Trägermaterialien, Papier, Holz und Aluplatte, bis schliesslich der Entscheid für die Leinwand fällt, weil diese am verlässlichsten ist, der Künstlerin am wenigsten ihren Eigenwillen entgegensetzt und damit Ablenkung vom Thema, Zerstreuung bedeuten könnte. Auch formal zeigen sich deutlich verschiedene Ansätze, wobei sich dieses Herantasten als durchaus produktiv und fruchtbar erweist. Die fragilen Papierarbeiten, die den Strich als gestalterisches Element betonen, um das Weiss erfahrbar zu machen, werden abgelöst von grossflächigen Leinwänden mit einer malerischen Behandlung der Farbe, die den Materialcharakter in den Vordergrund rückt. Andere Arbeiten zeigen einen strengen, architektonischen Zugang zum Thema. Der suggestive Farbauftrag ist hier einer puristischen, jede Raumillusion vermeidenden, fast monochromen Behandlung des Weiss gewichen. In den aus zwei identischen Teilen zusammengesetzten Arbeiten schliesslich wird Weiss zum Begriff, indem es in dem bewusst gesetzten, eine Grenze markierenden Spalt, der durch Grautonwerte noch verstärkt wird, einen Gegensatz erhält, wodurch die Bilder oft dreidimensionale Wirkung gewinnen. Es ist jedoch gerade die Summe der verschiedenen Arbeiten, die die suchende Annäherung der Künstlerin an eine Aussage von allgemeiner Gültigkeit spürbar und erlebbar werden lässt.